0183

wERDschätzung 0183, DE – Pöcking,
Marion Aechter-Droege, 23.6.19

Erde
Lass das Gras durch deine Haut wachsen.

Verwurzle dich nach innen.
Berwege dich durch das Geflecht deiner Knochen
und zerfalle zu Staub.
Verbinde ihn mit Wasser
und forme die Schale,
die das kosmische Feuer empfängt.
Vergraben im Mutterboden
hörst du den tiefen Ton in deinem Bauch,
gewiegt in seiner langsamen Schwingung.
Beständig.
Zeitlos.
Aus deinen Augen wachsen weisse Lilien,
verbinden dich mit dem Himmel.
In zärtlich hingegebenem Reigen wiegen sie sich im Wind.
Jungfräuliches Liebesgeflüster.
Deinen Brüsten entspringen muntere Quellen
und aus deiner Gebärmutter erhebt sich
fest verwurzelt der Weltenbaum,
beschattet dich,
verbindet dich.
Geflügelte Wesen,
in seiner Krone ruhend,

raunen und zwitschern mit Gotteszunge von Ewigkeit.
Du öffnest deine Zwischenräume für das Erdgetier.
Sie alle malen ihre Bahnen in dein Gewebe.
Nahrungsspuren.
Ausgedehnt bist du,
Grenzen verschwimmen im Pulsschlag der Dunkelheit.
Keine Fragen mehr.
Da sein.
Geborgenheit.“

 

 

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